Fluglärm und Gesundheit

In den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts war Gransee anerkannter Luftkurort.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Lärm als Hauptumweltbelästigung in den Industrieländern und ruft eindringlich dazu auf, Massnahmen gegen lärmbedingte Erkrankungen zu ergreifen.

  • Einführung
  • Was sagt die Wissenschaft?
  • Das Bundesimmissionsschutzgesetz
  • Dezibel-Messungen sagen nicht alles.
  • Lärm bei Erholungssuche
  • Aufruf des Weltärztebundes.
  • Appell an die Ärzte der Region.

Einführung
Nach neueren medizinischen Untersuchungen können bei Kindern schon ab 40 dB Lärmstärke erhebliche nachweisbare Störungen auftreten. Bei Erwachsenen kann es ab 50-60 dB zu bleibenden Gesundheitsschäden kommen.
Da war es schon ein starkes Stück, als der Verantwortliche der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin Brandenburg (LuBB) am 10.11.2009 am sogenannten Runden Tisch in Gransee sagte, Schall wäre erst ab 98 dB gefährlich und der Luftraum im Übrigen nicht Sache der Bürger.
Lärm ist nicht nur in Gransee eine heiss umkämpfte Sache, um Lärm geht es auf höchster politischer Ebene.
Eine bekannte wissenschaftliche Position (Prof. Maschke vom Robert Koch Institut) setzt die Zumutbarkeit bei der Belästigung durch Fluglärm bei einer Grenze an, bei der sich 25% der betroffenen Bevölkerung belästigt fühlen.

Was sagt die Wissenschaft?
Umweltmedizin und Umweltpsychologie haben erforscht:

Die persönliche Reaktion auf Lärm ist bei verschiedenen Menschen unterschiedlich.

Stressreaktionen infolge von Lärm treten auch bei Personen auf, die Lärm nicht stört, da Kreislauf- und Stoffwechselregulierung weitgehend unbewusst über das autonome Nervensystem gesteuert werden. Das zu wissen, ist besonders wichtig, wenn man in Alltagssituationen Verkehrs- und Arbeitslärm ausgesetzt ist. Gerade dann braucht man Erholungszeit nach den Lärmphasen!

Zur Belästigung durch Lärm tragen nicht nur die Lautstärke bei, sondern auch die Unvorhersehbarkeit und die Tatsache, den Lärm nicht selbst an- oder ausstellen zu können (im Gegensatz zu Lärm bei Arbeitsprozessen).

Vergebliche Versuche sich Lärm zu entziehen, tragen zu sogenannter “erlernter Hilflosigkeit” bei. Diese wiederum trägt zu seelischen Störungen bei.

Das Gefühl der Belästigung wächst, wenn:
- Lärm als unnötig wahrgenommen wird
- der Verursacher als rücksichtslos wahrgenommen wird
- der Eindruck von Gesundheitsschädlichkeit entsteht
- Lärm mit Gefühlen von Furcht assoziiert ist, z.B. vor weiterer Zunahme von Flügen
- man man auch mit anderen Aspekten, wie z.B dem Umgang von Behörden mit den Bürgern unzufrieden ist.

Lärm hat Einfluss auf Beziehungsverhalten:
Männer gehen bei Lärm eher auf Distanz. Frauen suchen eher Nähe um ihr Unbehagen zu teilen, oder leiden wenn das nicht möglich ist.

Lärm macht aggressiv:
Lärm steigert die Aggressivität. Besonders vorgeprägte Menschen zeigen unter Einwirkung von Lärm deutlich erhöhtes aggressives Verhalten. Somit beeinträchtigt das Flugzeugbrummen auch den sozialen Frieden.

Als das Flugzeug wieder einmal am Sonntag brummte, warf ein Bürger in der Altstadt von Gransee die Kreissäge an und schrie dabei: “Keine Ruhe, keine Ruhe, dann kann ich auch sägen” und sägte los.

Lärm mindert Hilfeverhalten, steigert Unfreundlichkeit, vor allem durch die Einengung der Aufmerksamkeit und Stimmungsverschlechterung.

Zu den möglichen Langzeitfolgen chronischer Lärmbelästigung gehören u.a. Änderungen bei biologischen Risikofaktoren (z.B. Blutfette, Blutzucker, Gerinnungsfaktoren) und Herz-Kreislauferkrankungen wie Arterienverkalkung, Bluthochdruck und bestimmte Herzkrankheiten, einschliesslich Herzinfarkt. Es werden auch Migräne, Magenkrankheiten u.a.m. genannt.

Das Bundesimmissionsschutzgesetz
definiert in §3 auch solche Geräuschemmissionen, die unterhalb der Gefahren-schwelle von 60 dB liegen, als schädliche Umwelteinwirkungen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, erhebliche Belästigungen für die Nachbarschaft herbeizuführen. Es schützt daher, nicht nur die “körperliche Unversehrtheit in biologisch-physiologischer Hinsicht”, sondern “schliesst das körperliche und seelische Wohlbefinden im Sinne einer menschenwürdigen Lebensqualität ein…Belästigungen sind Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens des Menschen. Der Übergang zwischen Belästigungen und Gesundheitsgefahren ist fliessend.”

Dezibel-Messungen sagen nicht alles
Urteile über das Ausmass der Belästigung bilden sich im allgemeinen aus längerfristigen Erfahrungen in und mit der Belastungssituation. Sie variieren individuell stark und werden von spezifischen Einflüssen, wie bestimmten Tätigkeiten, der gesamten Alltagssituation und physischen und psychischen Zuständen beeinflusst. Das Urteil über das Ausmass der Belästigung einer grösseren Gruppe von Betroffenen hängt von der Stärke, Dauer und Häufigkeit der Geräuschereignisse ab. Zusätzlich bestimmen Geräuschmerkmale wie Ton-, Impuls- und Informationsgehalt, sowie der Zeitpunkt der Geräuscheinwirkungen (innerhalb oder ausserhalb der Ruhezeiten, morgens oder abends) das Ausmass der Belästigung. Die Lärmwirkungen fallen auch je nach Tageszeit, aktueller oder aktuell sinnvoller Tätigkeit, unterschiedlich stark aus.
So sind beispielsweise die frühen Abendstunden eine besonders sensible Zeit sind und deshalb besonders zu schützen.

Lärm bei Erholungssuche
Lärm bei Erholungssuche beeinträchtigt mehr als Lärm in anderen Situationen. Es gilt dabei Ähnliches, wie für den Nachtschlaf. Ohne Erholungsintervalle keine Erholung. Noch bedeutsamer als die physiologisch messbaren Auswirkungen sind die schwerer messbaren Auswirkungen des Lärms auf die Psyche und deren körperliche Rückwirkung.

Aufruf des Weltärztebundes
Der Weltärztebund ruft die nationalen Ärzteorganisationen dazu auf die Öffentlichkeit, die Verantwortlichen für das Umweltrisiko, sowie die potentiellen Opfer zu warnen und für angemessene gesetzliche Bestimmungen gegen hohe Lärmpegel in Urlaubsorten, Erholungsgebieten usw. einzutreten.

Appel der Bürgerinitiative an die Ärzte der Region
Wir appellieren auch an die Ärzte der Region sich für die Forderungen der Bürgerinitiative gegen Fluglärm Gransee nach Ruhe an Sonn- und Feiertagen einzusetzen. Es geht dabei um den Schutz der unbedingt nötigen Erholung.

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